Torsten Herbst

Dieselzüge der Deutschen Bahn für ein Fünftel des Feinstaubs im Verkehr verantwortlich – Bundesregierung unterschätzt Emissionen von Diesel-Loks

Zur Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion der Freien Demokraten zum Thema: „Stickstoffoxid- und Feinstaubemissionen im Schienenverkehr“ erklärt der sächsische FDP-Bundestagsabgeordnete und Obmann im Verkehrsausschuss, Torsten Herbst:

„Die Antworten der Bundesregierung zeigen eine völlige Unterschätzung der realen Schadstoffemissionen von dieselbetriebenen Schienenfahrzeugen. Sie offenbaren zudem die Defizite bei der Elektrifizierung des deutschen Schienennetzes in den vergangenen Jahren. So werden heute allein durch die Deutsche Bahn AG noch immer zu rund einem Drittel Diesellokomotiven beziehungsweise Dieseltriebwagen eingesetzt – mit Motoren, die zu weiten Teilen umweltschädlicher sind als bei modernen Pkw. Dies führt dazu, dass die Züge der Deutschen Bahn im Jahr 2016 für rund ein Fünftel der Feinstaubemissionen im Verkehr verantwortlich waren. Weitere ältere dieselbetriebene Schienenfahrzeuge entfallen zudem auf private Eisenbahnunternehmen. 

Damit verschlechtert sich in weiten Teilen die positivere Umweltbilanz des Verkehrsträgers Schiene. Besonders deutlich wird dies im Nahverkehr: Dort sind sowohl die realen NOx- als auch die Feinstaub-Emissionen seit 2015 wieder angestiegen. Die Bundesregierung ist jetzt gefordert, die Elektrifizierung des deutschen Schienennetzes endlich konsequent voranzutreiben. Davon profitiert nicht nur die Umwelt, sondern der Wirtschaftsstandort Deutschland als Ganzes. Denn Unglücke wie beim Tunneldesaster in Rastatt beweisen, dass es im Umleitungsfall allzu oft an nahen Ausweichstrecken für strombetriebene Züge fehlt.

Vor dem Hintergrund der scharfen Diskussionen um Pkw-Fahrverbote für Innenstädte erstaunt zudem das Desinteresse der Bundesregierung am Umgang mit den Messergebnissen der Luftschadstoff-Messstationen in der Nähe von Schienenwegen deutlich. So liegen der Regierung nach eigener Angabe „keine Ergebnisse zu den Feinstaub- und NOx-Emissionen an Schienen-nahen Messstellen vor.“ Dies lässt nur zwei mögliche Rückschlüsse zu: Entweder ignoriert die Bundesregierung eine wichtige Datengrundlage zur Beurteilung des realen Einflusses des Schienenverkehrs auf die Emissionen vor allem im städtischen Bereich - oder ihr liegen entsprechende Daten vor und sie verweigert eine öffentliche Debatte.

 

Hintergrund:

Dieselmotoren im Schienenverkehr dürfen in der Europäischen Union mehr Feinstaub emittieren als Diesel-Pkw im Straßenverkehr. So dürfen Bahn-Dieselmotoren der Klasse IIIA gemäß der EU-Richtlinie 2004/26/EG höchstens 0,2 g Feinstaub pro Kilowattstunde (kWh) emittieren, Motoren der Klasse IIIB 0,025 g/kWh. Zum Vergleich: Die Feinstaubemissionen der modernsten Bahndiesel-Klasse IIIB entsprechen mit 0,025 g/kWh exakt denen eines EURO 4 Dieselmotors beim Pkw. Pkw-Dieselmotoren der Klassen EURO 5 und 6 hingegen dürfen höchstens 0,0045 g/kWh emittieren, eine Reduktion im Vergleich zum EURO 4 um 82 Prozent. Damit emittieren alle 2.380 in Deutschland zugelassenen Diesel-Loks der Deutschen Bahn AG um ein Vielfaches mehr Feinstaub als Pkw mit EURO 5 und 6-Abgasnorm. Die 931 vor 1999 zugelassenen Dieselloks und Dieseltriebwagen unterliegen keinerlei Auflagen für den Ausstoß von Luftschadstoffen.