Torsten Herbst

Warum die gesetzliche Mindestausbildungsvergütung keine Lösung ist

Dieser Gastbeitrag erschien als Kontra-Position zum Thema Mindestausbildungsvergütung in der Deutschen Handwerkszeitung.

Der Kampf von Unternehmen und öffentlicher Hand um Berufsnachwuchs ist in vollem Gange. Attraktive Ausbildungsbedingungen anzubieten, ist für das Handwerk kein Luxus, sondern existenziell für die eigene Zukunft. Jugendlichen steht heute eine Vielzahl von Berufs- und Studienmöglichkeiten offen. Daher braucht es natürlich Anreize zur Stärkung der  Berufsausbildung im Handwerk. 

Doch ist eine gesetzlich vorgeschriebene Mindestausbildungsvergütung die Lösung? Aus meiner Sicht nicht. Auf die heutige Spreizung der Vergütungen hätte diese keinen wesentlichen Einfluss. Mit einem neuen Gesetz würde die Politik die Tarifautonomie beschneiden. Hinzu kämen aufwändige Dokumentations- und Nachweispflichten für Betriebe – siehe die neu geschaffene Mindestlohnbürokratie.

Und ist eine einheitliche Mindestausbildungsvergütung sinnvoll, die für alle Branchen und Betriebsgrößen gilt? Kann man eine Familienfleischerei in der Lausitz mit einem Konzern wie Volkswagen vergleichen? Sind eine Bäckerei in Dresden und in Weißwasser wirtschaftlich gleich stark? Unterschiede lassen sich nicht per Gesetz abschaffen.   

Attraktive Ausbildungsvergütungen und -bedingungen sind wichtig – gerade mit Blick auf den sich verschärfenden Fachkräftemangel. Dabei bin ich überzeugt: Unsere Handwerksbetriebe werden sich dem Wettbewerb stellen. Wenn der Staat aktiv werden soll, dann besser beim Erhalt von Berufsschulklassen in der Fläche, bei der Weiterentwicklung des BaföG und bei der Modernisierung von Berufsbildern.