Torsten Herbst

Schlechte Leistungsfähigkeit grenzüberschreitenden Schienenwege ist Belastung für Sachsen

Lediglich 49 Prozent der grenzüberschreitenden Schienenstrecken in Sachsen sind elektrifiziert, 63 Prozent sind nur eingleisig. Das antwortete die Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion über den Zustand der grenzübergreifenden Schieneninfrastruktur in Deutschland. Dazu erklärt der sächsische FDP-Bundestagsabgeordnete und Obmann im Verkehrsausschuss, Torsten Herbst:

„Die Schieneninfrastruktur nach Polen und Tschechien ist in einem überwiegend beklagenswerten Zustand. Im Unterschied zu grenzüberschreitenden Eisenbahnstrecken in Westdeutschland ist die Leistungsfähigkeit der Schienenwege von Sachsen nach Osten und Süden reichlich vernachlässigt. Kennzeichen sind niedrige Höchstgeschwindigkeiten, teils fehlende Elektrifizierung, häufige Eingleisigkeit und keinerlei Digitalisierung. Nur mit einer Modernisierungsoffensive wird es gelingen, die Schiene attraktiver für Reisende und den Güterverkehr zu machen. Gegenüber Polen hatte sich Deutschland bereits 2003 in einem Abkommen verpflichtet, die Strecke von Dresden bis zur Grenze bei Görlitz zu elektrifizieren – passiert ist bis heute nichts.   

Die schlechte grenzüberschreitende Schieneninfrastruktur trägt mit dazu bei, dass es durch das hohe LKW-Aufkommen  immer häufiger zum Verkehrskollaps auf der A4 kommt. Allein das Transportvolumen der Bahn-Frachttochter DB Cargo ist in den letzten zehn Jahren auf den grenzübergreifenden Strecken nach Polen und Tschechien um mehr als 60 Prozent zurückgegangen. Diese Güter werden heute auf Lkws verladen.

Die Fahrgastzahlen im Nahverkehr zeigen außerdem, dass grenzübergreifende Verbindungen von Sachsen nach Polen und Tschechien stark nachgefragt werden. Allein die Grenzstationen in Schöna und Sebnitz wurden im Jahr 2017 von knapp 300.000 Passagieren frequentiert - eine immense Steigerung im Vergleich zu lediglich 6.000 Passagieren im Jahr 2007. 

Die Elektrifizierung der Eisenbahnstrecke Dresden - Görlitz muss für Staats- und Bundesregierung eine höhere Priorität bekommen. Für uns steht fest, dass auch die Neubaustrecke nach Prag vorangetrieben werden muss, um zu attraktiven Reisezeiten auf der Strecke Berlin – Dresden - Prag zu kommen. Von beiden Projekten würden nicht nur die Grenzregionen in Sachsen profitieren, sondern der Wirtschaftsstandort Deutschland als Ganzes.

 

Hintergrund:

Deutschland und seine Nachbarländer verbinden derzeit 49 grenzübergreifende Eisenbahnstrecken. Aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion ging nun hervor, dass 51 Prozent dieser Strecken nicht elektrifiziert sind, 63 Prozent lediglich über ein Gleis verfügen und nur eine Strecke mit dem digitalen europäischen Zugbeeinflussungssystem ETCS ausgerüstet ist. Sachsen verbindet mit seinen Nachbarländern Polen und Tschechien jeweils sechs Eisenbahnstrecken. Von diesen sind lediglich zwei elektrifiziert, vier zweigleisig und keine verfügt über ETCS.